Gespräch mit Anna Posch

Wenn du Mae beschreiben müsstest – welche Eigenschaften würdest du ihr geben?

Leidenschaftlich, genau … sie ist sehr akribisch, wenn es um gewisse Dinge wie Werte oder Emotionen geht. Ganz im Gegensatz zu dem, was sie oft kritisiert, wenn Menschen zu genau in alltäglichen Dingen sind, die für sie einfach keine große Rolle spielen.

Kanntest du die Buchvorlage schon? Welches Gefühl hattest du von dieser Prosa von Cornelia Travnicek?

CHUCKS gehört für mich zu den schönsten Büchern, die ich je gelesen habe. Diese Mae ist so bedingungslos in ihrer Liebe, in ihrem Handeln und auch in ihrer Härte. Das macht sie für mich unendlich mutig und stark, stellenweise aber auch unflexibel und einsam. Das dann Paul kommt, der in seiner Nähe zum Tod so viel Freiheit und Lebendigkeit besitzt und ihr so liebevoll Leben und Vertrauen einhaucht – das ist für mich das Spannende an der Geschichte. So zu leben ist würdevoll. Davor habe ich Respekt.

War Mae eine Verwandte oder eine Fremde für dich? Musstest du dich verändern oder war es leicht, sich hineinfallen zu lassen?

Mae war mir von Beginn an sehr nah, wenngleich es einige Wesenszüge gab für die ich eine gewisse Wegstrecke zurücklegen musste. Ab dem Moment der Zusage war es für mich das Wichtigste, mich voll und ganz auf diesen Prozess einzulassen und diese Figur mit Haut und Haar zu erleben. Die Figur zu spielen hat auch bedingt, ihre Radikalität zu akzeptieren – und zwar in jeder Hinsicht. Das war aufregend, schön und herausfordernd. In diesen Momenten habe ich die Figur geliebt, weil sie so bedingungslos ist und genau das habe ich im Spiel angestrebt zu erreichen. Es gab aber auch Momente, die beinhart waren. Wenn man mit den eigenen Erwartungen gegen eine Wand fährt oder wenn man das Gefühl hat, hoffnungslos zu scheitern. Das war tough. Doch ich glaube, das waren die Momente, in denen mir Mae am nähsten war. Außerdem haben mich tolle Menschen unterstützt – meine Freunde und Familie, und auch das wunderbare Team am Set.

Gab es bei den Dreharbeiten für dich einen Moment, von dem du sagen kannst: Hier hat sich die ganze Erfahrung dieses Films für mich kondensiert?

An einem der letzten Drehtage im ersten Drehblock. In der Früh drehten wir die Szene mit der Lesung vom Buch, die im Film erst gegen Ende vorkommt. Und gleich danach im Werk die Szene mit dem Poetry-Slam. Vor diesem Tag war ich sehr nervös, weil ich dachte, das wird ein intensiver Tag, weil wir vom Ende der Geschichte zurück in die Mitte springen. Mich hat es sehr bewegt, dass bei der Lesung so viele Menschen anwesend waren. Für mich hat sich da im Film etwas zusammen gefügt, weil ich gemerkt habe, dass es ein befreiendes Gefühl ist, wenn man etwas wie dieses Buch schafft. Ich glaube, das hat eine gewisse Kraft: Zuhörer zu finden für das, was man denkt, fühlt und erlebt hat.

Im Film verliebt sich eine junge Frau in jemanden, der sterbenskrank ist. Kannst du diesem Aspekt etwas abgewinnen?

Ich halte es für unwesentlich, dass diese Person am Schluss stirbt. Wenn man sich auf Liebe einlässt, schwingt der Verlust ja immer mit. Dazu muss ich nicht einmal wissen, dass mein Partner zum Beispiel AIDS hat und sterben wird. Es kann sein, dass er einen Unfall hat oder sonst etwas dazwischen kommt, oder er sich schlicht neu verliebt und das trotz aller Mühen, die man investiert, um einem Menschen zu vertrauen. Bei Mae wirkt das umso schwerer, da sie bereits einen Verlust hinter sich hat und als Kind ihr Bruder gestorben ist. Ich glaube, sie ist daher nicht die begeisterungsfreudigste, wenn es darum geht, sich auf etwas tiefgehend Emotionales einzulassen, jemandem zu vertrauen oder gewisse Dinge an jemand anderen abzugeben. Deshalb testet sie Paul an manchen Stellen auch aus, um seine Reaktion zu beobachten. Erst als sie nach und nach merkt wie er tickt, kann sie sich auf ihn einlassen. Der Film ist ein Plädoyer dafür, im Moment zu leben und gerade in der Liebe keine Unterschiede zu machen: Wenn man das Glück hat, jemanden zu lieben, soll man sich nicht auf irgendwelche Vereinbarungen versteifen, die es vielleicht gar nicht gibt oder die gar nicht existieren können, weil sich Dinge oft schnell ändern können.

ANNA POSCH

Geboren 1992 in Neunkirchen/Niederösterreich, wohnt in Wien. Nach der Matura zwei Jahre Schauspielstudium bei Elfriede Ott.

Filmographie:

  • CHUCKS (2015, Regie: Sabine Hiebler, Gerhard Ertl)
  • Die Detektive (2013, Pilotfolge, Regie: Michi Riebl)
  • Diamantenfieber (2012, Regie: Peter Kern)