Gespräch mit Markus Subramaniam

Wer ist Paul für dich? Wie hast du dir die Figur vorgestellt?

Ich würde ihn als humorvoll und weise beschreiben. Extrem weise sogar, für sein Alter.

Welche Rolle spielt Krankheit in der Beziehung zwischen Paul und Mae?

Eine wesentliche! Hätte Paul seine Krankheit nicht, wäre er nicht der, der er ist. Die Nähe zum Tod macht ihn extrem aus. Und die hat ihn auch zu dieser inneren Punkigkeit gebracht. Mae ist ja eher äußerlich punkig, und Paul innerlich. Man sieht ihm das nicht an, aber dabei treffen sie sich.

Hattest du Schwierigkeiten, dich Paul anzunähern?

Ich finde es schwierig, weiser zu spielen, als man ist. Man kann sich als Schauspieler in viele Richtungen dehnen, aber man kann z.B. nicht cooler sein oder weiser oder lustiger, als man selbst ist. Da hat man private Limits und verfiele sonst schnell in irgendwelche Klischees, etwa den weisen alten Mann zu spielen. Und das passt dann nicht. Das war für mich die größte Herausforderung.

Kanntest du den Roman und wie ging es dir damit? Welche Welt hat sich da für dich präsentiert?

In erster Linie Maes Welt. Ein Mädchen, das ein bisschen auf der schiefen Bahn ist, Stress zu Hause hat und seinen Platz in der Welt sucht.

Wie war die Arbeit mit Sabine Hiebler und Gerhard Ertl?

Eine sehr intensive Zeit. Das war mein erster Film. Ich hatte wenig Dreherfahrung und vorher nur am Theater gespielt. Die Arbeit mit Sabine und Gerhard war gewissermaßen auch ein Crash-Kurs. Filmarbeit ist ja viel intimer. Es geht ja noch mehr um das Innenleben, noch mehr darum, Dinge zu empfinden. Klar muss man beim Theater auch denken und fühlen, aber dort muss man gleichzeitig auch mehr „Schwung“ holen und all das nach Außen bringen. Bei der Arbeit an einem Film spielt man für einen kleineren Radius.

Wie hast du dir die Rolle angeeignet?

Ich habe drei Monate lang abgenommen (lacht). Mithilfe eines Ernährungsberaters habe ich zehn Kilo abgenommen. Das war meine physische Vorbereitung. Ansonsten habe ich mich mit AIDS-Patienten getroffen, war im AIDS-Haus und hab mich erkundigt, was sie machen können und wo sie aufpassen müssen.

Wenn man den Film sieht, weiß man nicht, was Paul eigentlich fotografiert. Was denkst du, fotografiert er?

Was er halt für Angebote bekommt. Städte für Reiseführer, unter anderem. Gebäude, Plätze, Menschen, Umgebungen.

Gab es eine Szene bei den Dreharbeiten, die dir besonders erinnerlich ist?

Im Kopf geblieben ist vor allem mein erster Drehtag, gleich hier um die Ecke, draußen an der Donau. Ich war mega-aufgeregt und entsprechend unsicher. War ich gut? Was wird von mir erwartet? Als dieser Tag gut verlaufen ist, habe ich mich auf die weiteren Dreharbeiten gefreut.



MARKUS SUBRAMANIAM

Geboren 1986 in Dachau. Nach der Matura Schauspielausbildung am Max Reinhardt Seminar (2006–10). Ensemblemitglied des Landestheater Linz 2010-2014. Momentan Gastschauspieler am Landestheater Vorarlberg.

Filmografie (Auszug):

  • CHUCKS (2015, Regie: Sabine Hiebler, Gerhard Ertl)
  • Jesus Cries (2013, Regie: Brigitte Maria Mayer)
  • Schongang (2012, Regie: Guy Lichtenstein)
  • Eaton – Power Solutions (2011, Regie: Günter Kaser)